Verhalten

Der Tag greift zur Knochenflöte
und spielt in fahlen Tönen
den Abgesang auf das Jahr.
Wie sanfte Geschosse fallen
die Blätter zu Boden und schlagen
dabei den trockenen Bass.
Auch wir Menschen, die wir uns
schon von Geburt an häuten,
vernehmen die Weise, wie
alles mit allem zusammenhängt
und trauen uns einen
dämmrigen Moment lang
mitzuklingen,
bevor wir wieder ins Zimmer
der geborgten Andersheit
zurückdrängen.

Was mich beschäftigt

Wie dieser neue Tag mit Anstand
zu verbringen wäre;
die Wald-Bilder der Jitka Hanzlová
und was John Berger darüber schreibt;
warum meine dünne Haut im Staub
der Geschichte dermaßen ausschlägt;
meine Kamera, mit der ich Kekse
aus dem Zeit-Teig aussteche, die
simultan im Licht gebacken werden;
die einfache Tatsache, dass Blut
dicker ist als Wasser;
der Tod, der Löcher ins Etwas reißt,
die gar nicht zu denken sind;
und das Sowohl-als-auch, das deutlich
häufiger vorkommt, als das Entweder-oder.

Inversion

Im Schlaf sammelt auch
der Zweifel seine Kräfte.
Glänzend fährt er seine
Klinge in den Tag, der
unscharf begonnen hat.

Umkehrung der Richtung,
alles in mich hinein
und Verdichtung zum Nichts.
Und die Sanftmut des Steins:
das vergeht.