Abschied als Pfarrer von Naarn

Am 19. Oktober 1969 trat Johann Zauner seinen Dienst in der Machland-Pfarre an – nun, fast genau ein halbes Jahrhundert später, ist er in Pension gegangen. „Ich bin froh, nicht mehr die administrative Verantwortung für Naarn und den ganzen Seelsorgeraum tragen zu müssen; doch bleibe ich – in guter Absprache mit meinem Nachfolger – weiterhin als Priester tätig“, erzählt er im Interview.
Das fünfte von sechs Kindern stammt aus Michaelnbach im Hausruckviertel und wuchs in einer dörflichen Welt auf, in der das Katholische eine entscheidende Größe war. Der Ortsgeistliche, Maximilian Ruspeckhofer, ein warmherziges Vorbild, ließ bei Hans schon im Volksschulalter den Wunsch aufkommen, ihm beruflich nachzueifern. „Auch das Ministrieren hat einiges beigetragen und natürlich meine Mutter, die ein großes Gottvertrauen gehabt hat. Der Glauben hat mir immer Geborgenheit gegeben, ich habe beständig gefühlt, dass Gott da ist, mich auch in in schwierigen Situationen trägt. Das hat mich nie verlassen“, so der 80-Jährige weiter.
Johann ZaunerNach der Volksschule trat er auf Vermittlung seines Heimatpfarrers ins Linzer Petrinum ein, anschließend, 1958, übersiedelte er ins dortige Priesterseminar. Die Ausbildung war klassisch: zwei Jahre Philosophie, dann drei Theologie, auch intensives Studium der lateinischen Liturgie. Doch die Zeichen standen auf Veränderung, ein frisches Lüftchen wehte durch die Institution, das sich schon bald zu einem veritablen Sturm ausgewachsen hatte: Papst Johannes XXIII. bereitete unter dem Stichwort des „Aggiornamento“ (ital. „an den heutigen Tag anpassen“) ein großes Reformkonzil vor, das die Katholische Kirche entscheidend umbilden sollte. „Das Zweite Vatikanum von 1962–65 war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Als Student und Jungpriester (ich bin 1963 geweiht worden) habe ich seine Impulse intensiv aufgenommen. Es hat eine unglaubliche Aufbruchsstimmung gegeben, die Kirche hat sich geöffnet, die Muttersprache bei Messen eingeführt, sich entschieden Welt und Menschen zugewandt … Wir jungen Kapläne haben alle geglaubt, dass der Zölibat sicher abgeschafft wird“, erinnert sich Zauner.

Meilenstein Zweites Vatikanum

Nun, es sollte ein bisschen anders kommen. Trotzdem hat er sein ganzes Priesterleben lang aus jener synodalen Grundstimmung heraus gewirkt: „Ich bin einer aus dem großen Volk Gottes, das gemeinsam durch die Zeit unterwegs ist; ja, das Konzil betont die gleiche Würde aller Getauften, das allgemeine Priestertum, die Verantwortung aller für das Leben von Kirche und Pfarre.“
Da man immer das weitergibt, was man selbst empfangen und kultiviert hat, war Johann Zauner ein Pfarrer, der mir und vielen anderen, mit denen er zu tun hatte, vor allem dieses schenkte: einen innigen, vertrauensvollen Glauben, in einer lebendigen Kirche auf Augenhöhe, in die man seine Talente wirklich einbringen konnte und in der viel Prägendes geschah (etwa die sommerlichen Jungschar-Lager, die dreitägigen Fußwallfahrten nach Mariazell, die Flüchtlingsbetreuung u. v. m.) Und einen Optimismus, der alles – auch den jetzigen schmerzhaften Kirchenumbruch – als Wirken des Heiligen Geistes begreift. Danke dafür!

(Erschien in den OÖNachrichten vom 26. Sept. 2019, 31.)