Filme mit Hausverstand

Sein großes cineastisches Vorbild ist die „Der Herr der Ringe“-Trilogie von Peter Jackson, der den titelgleichen, weltberühmten Roman von John R. R. Tolkien erstmals werkgetreu fürs Kino adaptierte. Die heroische Reise des Hobbits Frodo Beutlin und seiner Gefährten brachte im jungen Josef Lichtenberger all das zum Schwingen, was dort schon angelegt war: die Liebe zur Fantasyliteratur, zu großartigen Schauplätzen, zu Entwicklungsgeschichten, in denen der Held gefährliche Abenteuer bestehen muss, zu Kameraperspektiven und Spezialeffekten, zu Spannungsbögen, zu einem packenden Gesamtkunstwerk namens ‚Film‘, das einem unvergessliche Stunden im gepolsterten Sessel beschert. „Was früher ‚Indiana Jones‘ war, ist heute ‚Der Herr der Ringe‘ – ich glaube, sehr viele Junge in meiner Branche sind von Tolkien und Jackson nachhaltig geprägt“, sagt Lichtenberger.
Josef LichtenbergerDas mit der Begeisterung für bewegte Bilder hat aber viel früher angefangen: In der 3. Volksschulklasse drehte er mit Papas Hi8-Kamera ein kleines Werk, das auf eigenen Zeichnungen basierte: „Seither hats mit nicht mehr losgelassen. In der Hauptschule habe ich dann meine erste eigenen Cam bekommen, mit der ich viel ausprobiert habe“, so der 27-Jährige über seine Anfänge. Mit 14 schrieb er sich in den künstlerischen Zweig des BORG Perg ein, wo er seine Neigungen weiter vertiefen konnte. Irgendwann war klar, dass es auch beruflich in diese Richtung gehen sollte. Während des Zivildienstes bewarb er sich an der Wiener Filmakademie und an der Kunstuniversität Linz. Letzteres funktionierte. Der Fächerkanon des Studiums ‚Zeitbasierte und Interaktive Medien‘ war breit: Videoproduktion, Sounddesign, Animation, mediale Installation und Inszenierung, überhaupt Gestaltung digitaler Produkte. Ein gutes Fundament.

Kunst und Handwerk

Nachdem er seinen Bachelor in der Tasche hatte, wagte er mit den Schwerpunkten Hochzeits- und Imagefilm den Sprung in die Selbstständigkeit. „Das erste Jahr, 2017, war hart. Ich habe noch keine Referenzprojekte vorweisen können, keine Mundpropaganda gehabt, kurz: Die Auftragslage war mau. Auch war mir nicht klar, dass die Hauptsaison von März bis Oktober läuft, denn kaum einer heiratet im Winter oder möchte in seinem Imagevideo matschige Landschaften haben. Aber es ist irgendwie gegangen – auch dank meiner Frau Lydia, die mich immer unterstützt hat“, erzählt der Naarner. 2018 habe seine Firma dann Fahrt aufgenommen, Jahresbilanz: 20 Hochzeiten und einige Imageproduktionen. Seither laufe es und inzwischen liege das Verhältnis der beiden Geschäftsfelder bei 1:1, dazwischen auch manche Dokumentationen. Und irgendwann vielleicht ein großer Spielfilm.
Josef Lichtenberger sieht sich als Grenzgänger zwischen Kunst und Handwerk. Der Künstler führt dem Handwerker die Hand, der Handwerker treibt dem Künstler die Flausen aus: „Ich möchte Filme mit Hausverstand machen, die einfache, berührende Geschichten erzählen und nicht überkandidelt sind.“ Wir schauen sie uns gerne an.

(Erschien in den OÖNachrichten vom 22. Okt. 2019, 26.)