Miteinander menschlich und klanglich wachsen

Orchestermusik ist eine faszinierende Sache. Aus 30 oder 50 Einzelnen, die auf ihrem Instrument eine je eigene, dünne Stimme spielen, wird wie durch Zauberhand ein großes (und meistens) wohlklingendes Ganzes, das Ausführende und Zuhörer gleichermaßen in den Bann zieht. Doch es ist dabei natürlich keine Zauberhand am Werk, sondern diejenige des Dirigenten – im betreffenden Falle die von Stefan Huber. „Ich bin familiär vorgeprägt. Mein Vater spielt in unserer Kapelle Schlagwerk. Schon als kleiner Bub war ich von seinen Einsätzen bei diversen Anlässen beeindruckt. Immer wieder probierte ich auch das rosa Gilet seiner Tracht an“, erzählt er. So war es nur logisch, dass Stefan sich mit 10 Jahren bei Gottfried Haimel an der Landesmusikschule Perg als Schlagwerker einschrieb und mit 12 seine erste Ausrückung im Rechberger Musikverein hatte. Seither ist von Großer und Kleiner Trommel, von Pauke und Becken nicht mehr losgekommen. Anderes sollte dazukommen.

Leidenschaft Dirigieren

„2008 bin ich Stabführer geworden. Da habe ich gemerkt, dass es mir liegt, mit meinen Kolleginnen und Kollegen etwas einzustudieren – hier eben Märsche“, beschreibt der 41-Jährige seinen weiteren Weg. „Und natürlich arbeitet man in dieser Funktion auch schon eng mit dem Orchesterleiter zusammen.“ Anfang 2013 besuchte Stefan Huber ein mehrtägiges Dirigierseminar. Zusammen mit Jugendreferentin Elisabeth Ortner schlug er der Rechberger Vereinsführung daraufhin die Gründung einer eigenen Nachwuchsformation – unter seiner Leitung – vor. Gesagt, getan: bereits beim Frühlingskonzert spielten „Dé Jungen“ ein erstes Stück. Doch das war nicht alles. Nachdem sich Huber für die Ausbildung zum „Ensembleleiter Blasorchester“ (EBO) angemeldet hatte, trat die amtierende Kapellmeisterin zurück und der Vorstand fragte im Sommer desselben Jahres bei ihm an, ob er sich nicht auch die Leitung „der Großen“ zutrauen würde. Und er tat es. Unter dem Motto „Miteinander wachsen“ begann daraufhin in der Naturpark-Gemeinde eine neue blasmusikalische Ära.
Stefan Huber„Natürlich war und ist dieses doppelte Leitungsamt es eine große Herausforderung, aber ich mag das und ich versuche, ständig dazuzulernen. So habe ich neben der wöchentlichen Probenarbeit meinen 4-jährigen EBO-Lehrgang gemacht, das Goldene Leistungsabzeichen im Fach ‚Schlagwerk‘ erreicht und Klavier gelernt; und ich spiele bis heute bei befreundeten Orchestern mit“, so der Musikenthusiast, der im Brotberuf in der voestalpine beschäftigt ist. „Meine Frau Renate steht dabei hinter mir. Ohne ihre Unterstützung wäre dieses vielfältige Engagement nicht möglich.“
Den bisher größten Erfolg als Kapellmeister erreichte er mit „Dé Jungen 2.0“ beim heurigen Bundesbewerb der Jugendblasorchester in Grafenegg, wo die Rechberger in der Altersgruppe CJ den 1. Platz holten! „Ein großer Tag für den Verein“, meint Stefan Huber dazu. „Das ist das Schöne an der Musik: gemeinsam spielt man, gemeinsam klingt man, gemeinsam erreicht man Dinge, die größer sind als man selbst.“

(Erschien in den OÖNachrichten vom 27. Nov. 2019, 27.)