Memoria #0

Sie sind schon ein ganzes Leben lang tot, mindestens.

Erde und Staub, ein Grabstein, ein Name und ein verwitterndes Antlitz – das ist alles, was vorläufig von ihnen bleibt.

Kein Quartett

Wie ein Bulimiker frisst ein Mähdrescher
den Kukuruz und speit am Ende sein Gelbes aus.

Mit grauroten Pinselohren tanzt ein Eichhörnchen über
die gräserne Leinwand und malt sein Paradies mit Nüssen.

Ein Stockenten-Erpel hat sich gemausert und poliert
mit heftigen Flügelschlägen seinen Hormonspiegel.

Und der nämliche Mensch hier weiß nicht, ob er
die Landschaft begeht oder die Landschaft ihn.

Granitschädel

Erneuter Streifzug
längs der Rohrleitung.
Auf schmalem Weg prescht
im Benzinsuff ein SUV daher:
Freitagnachmittagsschießen
im alten Steinbruch, wo
milzschnittige Jägersleute
auf Tontauben gehen.
Schultern frösteln,
Büchsen knicksen,
Archaisches dräut.
Schnell weiter – bevor
mein Geballere im Kopf losgeht.
Im Wald hinter der Abbruchkante
macht ein Vogel sein Vetorecht
gegen die Schüsse geltend, und
manchmal regnet ein versprengtes
Schrottkügelchen durch
das greise Blätterdach.
Obs wohl mein Häutchen ritzte,
wenns mich treffen täte?
In einer Groteske wird
die Angst niemals besetzt.