De profundis

Geologische Studien durch
Sohle und Abtastfinger,
beglaubigte Osmose zwischen
Mensch und Mineral,
en passant ein High five
mit dem Harz einer Kiefer.
Auch: moosbedeckte Not,
die ein Erdzeitalter zurückreicht,
ein heftig klöppelndes Elsternpaar,
das Ornitholinguisten heranzüchtet
und wieder, wieder die Findlinge,
deren Haut im Alter glatter wird.
Aus der tiefsten Tiefe lugt
vergnügt ein Sinn empor.

Schollenwiege

Ein leichter Nebel – und
die Welt schaut gleich
weniger pflichtversessen aus.
Vom Butterpapierhimmel
fällt das Morgenlicht über
den wehen Rücken der Kruste.

Trabanten, Piloten mit Programmen,
Schmarotzer des ersten Glücks, sie
alle geben keine Ruhe. Ein Hiatus.
Das Leben muss weitergehen ist
eine groteske Tautologie,
bei deren Erwähnung ich
immer lachen muss.

Regen und Bücher

Am Himmel ein kubistischer Schnellschuss
in grau – verkehrte Berge, die wie
tropfende Zitzen am Firmament hängen.
Die Menschenfiguren scheinen
mit dem Staunen beschäftigt, da es
ungewöhnlich ruhig ist; oder mit
ihrer phosphoreszierenden Angst,
die sie aus den abweisenden Dingen
schöpfen wie Verdurstende. Immerzu.
Gefühle altern nur ganz allmählich,
langsamer als die Haut, schreibt Daoud.
Sie überleben uns sicher und bewachen
unsere verwischenden Spuren.

Naarn bei Perg_WP

 

Naarn²

Heiße so wie dieser Fluss,
winde mich durchs Leben;
fließe, weil ich fließen muss –
nun, so ist das eben.

Harte Steine, weiches Herz,
uferloses Ufer;
vor- und ab- und himmelwärts,
flüsterleiser Rufer.

Zeit und Ziel und Zipperlein,
langsam-letztes Rennen:
Sie geht in die Donau ein,
ich in ein Erkennen.