Angelus Novus, Paul Klee, 1920
Paul Klee, Angelus Novus, 1920

 

Walter Benjamin: „Über den Begriff der Geschichte“

Walter Benjamin wurde 1892 in Berlin als Sohn assimilierter jüdischer Eltern geboren. Nach dem Studium der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte arbeitete er als freier Schriftsteller und Übersetzer. Als Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, emigrierte Walter Benjamin, (c) Suhrkamp VerlagBenjamin nach Paris, wo er mehr schlecht als recht sein Auskommen fand. Im September 1939 brach nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen der Zweite Weltkrieg aus, was zur Folge hatte, dass der Exildeutsche Benjamin von der französischen Regierung sofort als „feindlicher Ausländer“ identifiziert und in ein Arbeitslager interniert wurde. Nach dreimonatiger Haft kam er frei und kehrte nach Paris zurück. Bald versuchte er – die Auslieferung an die Deutschen ständig fürchtend – nach Südfrankreich und weiter nach Spanien zu gelangen, um schließlich via Portugal in die USA auszureisen, für die er ein gültiges Visum besaß. Im spanischen Grenzort Portbou, wo er erneut festgehalten wurde, nahm er sich im September 1940 das Leben. In der Zeit vorher schrieb er seine Thesen „Über den Begriff der Geschichte“, von denen drei hier näher besprochen werden sollen.

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Der Beitrag entstand anlässlich eines Philosophie-Seminars an der Katholischen Privatuniversität Linz im Sommersemester 2018: „Theorie in dunklen Zeiten – politische Theorie in den 1930er-Jahren“ unter der Leitung von Lukas Kaelin.
Bild oben: Walter Benjamin erwarb den „Angelus Novus“ 1921; er spiel in einigen seiner Texte eine Rolle – auch im hier rezensierten:
„Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.“
(Benjamin, Walter, Über den Begriff der Geschichte [1940], in: ders., Gesammelte Schriften I, 2, hg. v. Rolf Tiedemann u. Hermann Schweppenhäuser, Frankfurt a. Main 1974, 691–704, hier 697f.)
Bild im Text: Walter Benjamin, © Suhrkamp Verlag.