Adolf Loos und seine Ornamenttheorie

„Ein Künstler, der Erfolg hat, muß den Kopf nicht hängen lassen. Er soll erst dann an sich verzweifeln, wenn ein Kitscher durchfällt.“
Karl Kraus, „Nachts“

0 Einleitung

Im morbiden, kreativen Wien der Jahrhundertwende trafen Karl Kraus und Adolf Loos zum ersten Mal aufeinander – und wurden Freunde. Bei beiden paarte sich großer missionarischer Eifer mit hohem künstlerischen Anspruch und drängte zum prägnanten Ausdruck. Das verband.
Kraus gab in der österreichischen Hauptstadt von 1899–1936 die Zeitschrift „Die Fackel“ heraus: Auf über 25.000 Seiten schuf er ein monumentales Werk, in dem er vor allem gegen die Verrohung der Sprache, gegen „das Ornament des Geistes“ in unzähligen Glossen, Gedichten, Essays und Aphorismen literarisch anging.
Der vier Jahre ältere Loos suchte sein Glück ebenfalls im Schreiben und trat am Anfang seiner Kar-riere vor allem als Journalist in Erscheinung. Seine ersten nachweisbaren Artikel erschienen in der Wiener Wochenschrift „Die Zeit“: 1897 ein Text, der sich mit einer Ausstellung der Wiener Kunstgewerbeschule befasste; wenig später dann ein Aufsatz, der gegen das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs anlässlich der Kaiser-Jubiläums-Ausstellung eine heftige Attacke ritt. Loos hatte sich am Stil seines Freundes geschult und eignete sich mehr und mehr dessen Vorliebe für Aperçus an, in denen beißender Spott und elegante Sprachbeherrschung zu einem mitreißenden Ganzen ver-schmolzen. Parallel zur Schriftstellerei arbeitete der 1870 im mährischen Brünn geborene Architekt auch in seinem erlernten Beruf: als Innenraumgestalter von Wohnungen und Geschäftslokalen, etwa vom Café Museum, das er 1899 ausstattete. Seine großen Bauten sollten erst ab 1909 (beginnend mit dem Haus am Michaelerplatz) entstehen.
loos&kraus 1908 schrieb Loos seinen berühmtesten und wirkmächtigsten Text, den er als Vortrag konzipierte: „Ornament und Verbrechen“ . Darin entfaltet er eine an Evolutionstheorie und Psychoanalyse gesundete „Moderne“, die sich vom allseits beobachtbaren Drang zum Schmucke radikal befreit. Die Wiener Werkstätten und der Deutsche Werkbund, die der Autor mit seinem Pamphlet vor allem adressierte, hörten die Botschaft zwar, ließen sich aber davon kaum beeindrucken. Die fulminante Streitschrift trug dennoch maßgeblich zum Ruhm ihres Urhebers bei. Und zur Freude Karl Kraus’.
Nachfolgend der Versuch einer Analyse.

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„Adolf Loos und seine Ornamenttheorie“ ist eine Proseminararbeit (Katholische Privatuniversität Linz, PS Bauen und Wohnen – die gute Form, Wintersemester 2017/18).
Bild 1: Plakat (1913); Bild 2: v. l. Adolf Loos, Karl Kraus, Herwarth Walden (um 1910).