Heute fand in meiner Pfarre ein Rundfunk-Gottesdienst statt. Die Verantwortlichen haben sich gedacht, dabei nur das Beste aufzubieten. Es wurde also eine Zusammenarbeit mit der hiesigen Landesmusikschule vereinbart. Alles sollte perfekt und großartig und damit wohl beeindruckend sein. So wurde der Organist von der Landesmusikschule importiert; so wurde der Kantor von der Landesmusikschule importiert; so wurden die diversen spielenden Ensembles von der Landesmusikschule importiert; und auch der Lektor wurde von dort importiert. Nur der Pfarrer wurde nicht importiert, der gab die Importe in Auftrag. Alles zum Wohlgefallen des hörenden Rundfunkpublikums, natürlich.
Eine schöne Fügung wollte es so, dass als Evangelium Mt 23, 1–12 gelesen wurde, Jesu scharfe Rede gegen die Jerusalemer Schriftgelehrten und Pharisäer, denen er vorwarf, ein heuchlerisches religiöses Verständnis zu haben. „Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang“, tönt es da in Vers 5 anklagend aus dem Mund des Nazareners. Es geht um Herrschsucht, um Ruhmsucht, um das Als-ob der religiösen Elite seiner Zeit.
Der Priester führte in seiner anschließenden Predigt aus, wie wichtig es sei, authentisch, echt zu sein; denn wer Menschen mit der Botschaft Jesu erreichen wolle, werde an dessen Maßstab gemessen, und der sei ein höchst anspruchsvoller.

Und: Erfüllte dieser Rundfunk-Gottesdienst selbst das in ihm stark gemachte Kriterium der „Echtheit“? War hier – um es deutlich zu sagen – tatsächlich die Demut einer Gottsuche am Werk? Ich zweifle. Die Darbietungen waren zwar wirklich gekonnt, aber den Ausführenden war anzumerken, dass es ihnen primär um die technische Makellosigkeit ging und nicht um den mystagogischen Dienst. Mit der kühlen Perfektion ihrer Auftritte schufen sie ein atmosphärisches Feld, das die Kirche beinahe in einen profanen Konzertsaal verwandelte; damit erschwerten sie genau das, was sie zu fördern vorgaben: Anbetung. Obendrein waren die Protagonisten eben vielfach von außen „engagiert“, als professionelle Ausrichter eines Messe-Events, das bundeslandweit im Radio zu empfangen war. Damit stieg das Maß der Entfremdung noch einmal an, das die Menschen in den Kirchenbänken ob der priesterzentrierten Liturgie sowieso empfinden mögen. Trotzdem: Am Ende allgemeine Freude über die gelungene Aufführung und ein lautes „Fesch wars!“ – echt jetzt.
Ob es IHM auch gefallen hätte?