Mimikry

Adorno (komisch, Horkheimer höre ich gar nicht sprechen): Jeder Satz ein Kunstwerk, jeder Gedanke schärfer, als der eben geäußerte, der sich damit bereits der Fadesse verdächtig macht. Ich verstehe ihn – seine Denkbewegung – auch wenn ich mich weigere, jede seiner Formulierungen für mich durchzubuchstabieren; manchmal muss die eigene Dummheit (als subversive Taktik und damit als höhere Form der Klugheit) der anderen Gelehrsamkeit das Terrain streitig machen, um Erkenntnis zu retten. Der Dialektik d[ies]er Aufklärung1 entkommt in ihrer lähmenden Überwältigung – gleich einer brillanten Spinne fängt sie ihr Opfer weich aus dem Fluge herunter und bindet es mit geschmeidigen Bewegungen fest, um es sich peu à peu einzuverleiben – nur, wer das Recht auf sein Eigenes (und sei es noch so dürftig) behauptet. Derartig furiose Kritik klärt mit einem Gestus auf, der seinem Gegenstand – der zur rabiaten Maschine degenerierten Aufklärung, die gar nichts mehr anderes wünschen kann, als so zu sein, wie sie ist – gespenstisch nahekommt. Siegen zu müssen ist für jeden! der folgenreichste Mythos.

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1 Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt a. Main 212013.