Habe letzte Woche Elie Wiesel gelesen: „Die Nacht“ – ein autobiografischer Bericht über seine Erlebnisse in Auschwitz, der zu fassen kaum möglich ist. Ein 15-jähriger Junge aus Sighet in Siebenbürgen erlebt Auschwitz, Buchenwald, den Tod seiner Liebsten und den Tod seines bis dahin heiß angebeteten Gottes. Im fürchterlichsten Höllenfeuer, das die Menschen je geschaffen haben, geht alles in Rauch auf; zurück bleibt der unsagbare Schmerz des aschenverwehten Nichts.
Das zärtlich-träumerische Vermissen seiner Anverwandten ist in Hinkunft gekettet an den traurig-zornigen Befund Da ist kein Gott! – und wenn doch, dann einer, der in dieser für sein auserwähltes Volk alles entscheidenden Situation nicht da war, als der er da sein sollte. Diese Anklage speist sich aus derselben Leidenschaft, mit der er früher seine Gebete sprach. Nur das Vorzeichen wechselte …

Nach Auschwitz glauben – wenn es für uns noch irgend möglich sein sollte – heißt: mit Auschwitz glauben und gegen Auschwitz, aber ja nicht ohne es.